Kinder brauchen Vorbilder

von Edith Gätjen

Aufbauend auf den genetischen und physiologischen Grundlagen bestimmt eine liebevolle Ernährungserziehung das Essverhalten von Kindern.

Die Vorbildfunktion der Eltern gehört ebenso dazu wie natürliche Entwicklungsschritte zu berücksichtigen.

  

Ernährungserziehung

Bereits ab der zehnten Schwangerschaftswoche bilden sich beim Ungeborenen erste Geschmacksknospen auf der Zunge und in der Mundschleimhaut. Ab der 13. Woche reifen die Geschmacksnerven, so dass der Fötus nun beginnt, Geschmacks­eindrücke zu verarbeiten. Das Fruchtwasser schmeckt nach der von der Mutter aufgenommenen Nahrung. So ist es zu erklären, dass Geschmacksvorlieben bereits im Mutterleib geprägt werden – quasi angeboren sind, wenn auch nicht im genetischen Code verankert.

 

Die Geschmacksprägung beginnt also bereits im Mutterleib und ist damit auch die Grundlage der Gesundheitsvorsorge. Dieser Prozess geht während der Stillzeit weiter. Denn auch die Muttermilch nimmt den Geschmack des von der Stillenden verzehrten Essens an. Gestillte Kinder haben durch die Variationen des Muttermilchgeschmacks erheblich bessere Startmöglichkeiten für das Heranführen an den Familientisch als Flaschenkinder, deren Milch jeden Tag identisch schmeckt.

 

Geschmack entwickelt sich lebenslang

Ein neugeborenes Kind schmeckt bereits die Geschmacksrichtungen süß, sauer und bitter, wobei es süß präferiert, sauer und bitter dagegen ablehnt. Mit vier Monaten kommen salzig und umami hinzu. Die rein organische Entwicklung der Geschmacksorgane ist mit etwa drei Jahren abgeschlossen, die Geschmacks­entwicklung, das Prägen des Geschmacksgedächtnisses geht allerdings lebenslang weiter. Alle Geschmackserlebnisse werden schnell und nachhaltig gelernt, auch die negativen. Wie bei allen Lernprozessen spielen dabei die Begleitumstände des Lernens eine große Rolle.

 

Ebenso gibt es genetisch angeborene Geschmackspräferenzen. Sie haben sich im Laufe der Entwicklung des Menschen ausgebildet und schützen den Körper vor Gefahren. Auf der anderen Seite sind sie dafür zuständig, dass der Körper mit den notwendigen Stoffen ernährt wird. So sorgt die Präferenz für süß für das Überleben, da reife, süße Früchte reich an dem Energielieferanten Zucker sind sowie Mineralstoffe und Vitamine liefern. Bittere Geschmacksrichtungen sind hingegen eher ein Hinweis auf unreif, verdorben und potenziell giftig. Die Präferenz für salzig“ ist ein Hinweis darauf, dass der Körper für seinen Wasserhaushalt Natrium dringend benötigt. Auch wenn Salz in früheren Zeiten schwierig zu beschaffen war, sorgte das körperliche Bedürfnis nach salzigem Geschmack dafür, dass unsere Vorfahren nach Salz suchten, um überleben zu können. Für das Überleben war auch der Konsum von Fett wichtig: zum einen als wichtiger Energieträger, aber auch als Geschmacksträger, der andere Geschmacksrichtungen verstärkt.

Die Kleinsten mögen Süßes und Fettiges

 

Uns ist also zunächst genetisch gegeben, Süßes und Fettiges auszuwählen, Bitteres jedoch abzulehnen – Muttermilch erfüllt diese Anforderungen perfekt.  weiterlesen